Gotthard. Швейцарская рок-группа

Sie heissen wie ein Bergmassiv und sind ein Monument in der Schweizer Rockgeschichte: Gotthard! Das neue Album “Domino Effect” stieg auf Anhieb auf Platz 1 in die Charts ein, das Video für die Single “The Call” sorgte mächtig für Aufruhr. Ich habe Bassist Marc Lynn getroffen und mit ihm über Freundschaft, Musik und Erfolg geplaudert...

Claudia Senn - Wenn du Gotthard in einem Satz beschreiben müsstet, wie würde das tönen?

Marc - Ein familiäres Team, mit dem ich Höhen und Tiefen erlebe und immer wieder Erfolge feiern darf.


Claudia Senn - Wie fühlt es sich an, 15 Jahre mit derselben Band unterwegs zu sein und immer noch erfolgreich die Charts zu stürmen?

Marc - Wie fühlt sich das an, gute Frage... Ich denke, es ist unsere Leistung, die wir bringen, die uns auch den Erfolg beschert. Und schlussendlich entscheidet ja der Zuhörer, ob du erfolgreich bist oder nicht; das Volk anerkennt deine Leistung oder es tut es eben nicht. Momentan hat es sich wieder einmal für uns entschieden - das ist nicht selbstverständlich heutzutage und dafür sind wir dankbar..


Claudia Senn - Das neue Album “Domino Effect” ist einmal mehr Nr. 1; es ist das bereits 11. Gotthard-Album mit Nr. 1 Platzierung in der Schweiz. Ihr besitzt etliche Platin- und Doppelplatin-Auszeichnungen und den Diamond-Award für 1 Mio verkaufter Alben in der Schweiz. Wie macht ihr das? Was ist euer Erfolgsrezept?

Marc - Gute Frage... Ich denke, die SchweizerInnen wollen eine Band, an die sie ehrlich glauben können. Wir sind ein Team, standfest, bringen immer unsere Leistung. Wir versuchen, immer unser Bestes zu geben - das ist das, was wir für die Leute tun können und darin sind wir gut. Und das Publikum honoriert das.


Claudia Senn - Mit “Lipservice”, dem letzten Album, seid ihr zu euren musikalischen Wurzeln zurückgekehrt, rockig, erdig und kompromisslos geradeaus. “Domino Effect” reiht sich nahtlos daran an. Weshalb dieses “back to the roots”?

Marc - Ist es ein “back to the roots”? Stell dir eine Küstenfahrt vor, auf der einen Seite siehst du den See, auf der anderen die Berge. Du bleibst immer auf deinem Weg, möchtest aber einmal im See baden und ein anderes mal den Berg erklimmen. So tönt ein Album mal ein wenig poppiger, ein anderes wieder rockiger. Wir sind keine Modeband, wir bleiben immer auf unserer “Küstenstrasse”, verstehst du?


Claudia Senn - Wenn du zurückdenkst, als ihr angefangen habt; hast du dir jemals erträumt, so erfolgreich zu werden?

Marc - Geträumt habe ich viel davon, erträumt hab ichs mir nie. Ich meine, du weisst nicht, wie es aussieht, wenn du wirklich da oben bist, dieser Erfolg ist ein unbewusstes Ziel, das kannst du dir nicht in dem Sinne vorstellen oder erträumen. Aber es ist toll und ich würde heute denselben Weg noch einmal genau gleich gehen.


Claudia Senn - Euer Video von “The Call” hat mächtig für Aufruhr gesorgt. Wie kams zu Idee zu diesem (Schock)Video?

Marc - Also “Schock”-Video... ja weisst du, heute gibt es viele derartige Clips nach dem Klischee: Mann-Frau-Affären-Eifersucht. Wir wollten mal was anderes machen im Sinne von “du hast mir das Herz rausgerissen, du hast mich verletzt und ich leide”. Und wir sind ja zugegeben eine sehr anständige Band - vielleicht wollten wir einfach auch mal die Zahne zeigen.


Claudia Senn - Wenn man eure musikalische Entwicklung mitverfolgt und eure Bekanntheit rund um den Globus ansieht, könnte man denken, ihr hättet gerade erst so richtig angefangen, die Welt zu erobern... Ihr denkt auch nach 15 Jahren Bandgeschichte noch lange nicht ans Aufhören, richtig?

Marc - Solange man Nr. 1 ist, sollte man nicht aufhören... O Dieses Business ist nicht berechenbar, es ist ein grosses Geschenk, dass wir immer noch mitmischen dürfen. Es ist jetzt so, dass wir uns durch unser eigenes Label den Weg frei gemacht haben, die grosse weite Welt zu erobern; das war mit der alten Plattenfirma in dem Sinne nicht realisierbar. Neue Partner, neue Chancen, neues Game.


Claudia Senn - Die “Lipservice” - Tour war die bis anhin längste in eurer Bandgeschichte. Da erlebt man vieles. Kannst du mir eine Anekdote erzählen?

Marc - Oh ja... wir hatten mit unserem Tourbus ganze 3 mal eine Panne, einmal mitten in der Nacht auf einer spanischen Autobahn. Motor kaputt, kein Strom, kein Licht, kein gar nichts, einfach dunkel... aber diese Dinge sind zum Glück immer an einem Reisetag passiert, wir mussten kein einziges Konzert absagen.


Claudia Senn - Welches war der schönste Auftritt in deiner Karriere?

Marc - Oh, das ist schwierig... es gab viele tolle Dinge, die wir zusammen erlebt haben. Was sicher super war, war der Gig im Vorprogramm von AC/DC in Turin; oder im alten Hardturm vor Bryan Adams, das war unser erster grosser Gig. Und die Aufnahmen zur letzten Live-DVD im Hallenstadion, die waren auch genial.


Claudia Senn - Welchen Moment wirst du nie vergessen?

Marc - Naturlich die erste Goldplatte, die erste Gold-Single... aber auch viele kleine Momente, die das Team zusammenschweissen. Was ich der Band sicher nie vergesse ist, dass sie auf mich gewartet und zu mir gehalten hat nach meinem schweren Motorrad-Unfall; das ist nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar.


Claudia Senn - Was machst du, wenn du mal einen “Gotthard”-freien Tag hast?

Marc - Töff fahren, Online-Games spielen, mit Freunden etwas unternehmen oder zum Bowling gehen, und natürlich vergess ich auch meine Familie nicht.


Claudia Senn - Auf eurer Homepage ist zu lesen, dass eine deiner Ängste “die letzte Runde in der Bar” ist... Das musst du mir ein wenig genauer erklären...

Marc - (grinst) Ja das ist so gemeint... wenn du auf Tour bist, Konzerte spielst, dann ist das Adrenalin pur. Nach dem Konzert in der Bar hat man Zeit, um wieder runter zu kommen, um abzuschalten. Ich möchte da dabei sein, weitermachen und noch nicht in die Federn gehen. Steve zum Beispiel muss leider immer relativ früh zurück ins Hotel, er muss natürlich seine Stimme schonen, vor allem wenn wir mehrere Gigs haben an einem Wochenende. Ich könnte das nicht, das ist wie eine Vollbremsung von 100 auf 0. Wir sitzen dann halt noch gemutlich zusammen, feiern, lassen den Abend ausklingen... Da hofft man doch immer, dass die letzte Runde doch noch nicht die allerletzte ist...


Claudia Senn - Welche Musik füllt dein iPod?

Marc - Alles! Stimmungsabhängig höre ich mich querbeet durch die gesamte Musikpalette; das kann auch gut und gerne mal ein tolles klassisches Stück sein. Was findet man auf meinem iPod... Deep Purple, Red Hot Chilli Peppers, viel Blues... ja, alles halt.



Claudia Senn - Damit wir nun noch einige Dinge über dich erfahren, die nicht in jedem Interview stehen, wechseln wir nun den Themenblock zu etwas allgemeineren, nicht ganz alltäglichen Fragen:
Was denkst du, welche drei Dinge findet man in jeder Damenhandtasche?
Marc - Lippenstift, Spiegel, Handy

Claudia Senn - Mit wem möchtest du nie im Lift stecken bleiben?
Marc - Mit George Bush!

Claudia Senn - Mit welcher Comicfigur identifizierst du dich am ehesten?
Marc - (überlegt lange) Mit Popeye! All for the women.

Claudia Senn Wenn ich dich als Menü bestellen würde, was müsste ich essen?
Marc - Etwas Heisses, manchmal schwer Verdauliches, am Limit, und etwas extrem Teures...

Claudia Senn - Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Marc - Gitarre, iPod, Handy (damit ich anrufen kann, wenn mir langweilig ist...)

Claudia Senn - Was würdest du machen, wenn du für einen Tag über die Welt herrschen könntest?
Marc - Ich würde mich für die Umwelt einsetzen, also Umweltschutzbestimmungen gnadenlos verschärfen. Kampf gegen Global Dimming, Global Warming, Lichtverschmutzung, etc.

Claudia Senn - Was würdest du dem Bundesrat zur Verbesserung vorschlagen?
Marc - Abtreten! Die ganze Kompanie! Das würde ich denen raten. Das wäre die effizienteste Verbesserung.

Claudia Senn - Welchen Club würdest du gerne dein Eigen nennen?
Marc - Markthalle, Hamburg.

Claudia Senn - Was würdest du mit einem Gewinn bei den Euromillions machen?
Marc - Ich würde der Band, der Familie etwas geben, mich in sozialen Dingen engagieren; und den Rest auf dem Bankkonto liegen lassen. Klar, ein, zwei verrückte Sachen würd ich schon machen, zum Beispiel einen Weltraumflug würd ich mir ermöglichen. Aber die Band würde bleiben. Ich mache ja nicht Musik wegen dem Geld, ich machs fürs Herz.

Claudia Senn - Warum denkst du, gehen Frauen zu zweit zur Toilette?
Marc - Um sich den Zwischenstand des Abends durchzugeben...

Claudia Senn - Welche/n Schweizer/in hat deiner Meinung nach den Titel zum wichtigste/n Schweizer/in verdient?
Marc - Gegenfrage: braucht es überhaupt eine/n wichtigste/n Schweizer/in?

Claudia Senn - Zum Schluss gebe ich dir ein paar Stichwörter und ich bitte dich, etwas dazu einen Satz zu sagen. Du hast natürlich auch einen Joker zur Verfügung, den du setzen kannst...
- Freundschaft
Marc - Wer wenn er stirbt 3 gute Freunde hat, ist ein reicher und glücklicher Mensch.

Claudia Senn - Liebe.
Marc - das Lebenselixier.

Claudia Senn - Sex.
Marc - wundervoll, spielerisch, unsere Urtriebe.

Claudia Senn - Schweiz und EU.
Marc - never please!

Claudia Senn - Krieg
Marc - gibt.s, wenn Menschen nicht fähig sind, miteinander zu reden... leider ist zuviel Wirtschaft im Spiel.

Claudia Senn - Aids
Marc - nein danke

Claudia Senn - Partys
Marc - voll Gas! Da bin ich zuvorderst.

PartyGuide.ch - Joker
Zum Schluss möchte ich noch sagen - Enjoy the Summer, lebt in Frieden und zieht euch den “Domino Effect” rein - Freundschaft, Liebe, Musik!


Am Schluss des Interviews habe ich Marc ein weisses A5- Papier gegeben und ihn gebeten einfach etwas zu zeichnen oder zu schreiben, was ihm in den Sinn kommt.
Dabei herausgekommen ist dies: